VON DEN BIBLISCHEN UND GRIECHISCHEN WURZELN ZU DEN MODERNEN MENSCHENRECHTEN: DIE LEHRVERANSTALTUNGEN UND DAS WISSENSCHAFTLICHE WERK VON PROFESSOR ECKART OTTO AN DER LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN -
Vorlesungsankündigung von Prof. Dr. Dr.h.c. Eckart Otto im Wintersemester 2026/27 an der Ludwig-Maximilians-Universität München: Dioe Geschichte des Natur- und Verfassungsrechts von der Antike bis zur Gegenwart Teil II: Von Thomas Hobbes bis zu Jürgen Habermas, freitags 10-12 im Hauptgebäude HS A15
2026, Vorlesungen an der LMU
Der emeritierte Professor der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht die historische Entstehung des Naturrechts, des Verfassungsrechts, der rechtlichen Legitimität und der Menschenrechte
Professor Eckart Otto, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Wissenschaftler auf den Gebieten des biblischen Rechts, der Rechtsgeschichte des Alten Orients, des Deuteronomiums sowie der Beziehungen zwischen Religion, Recht, Ethik und politischer Philosophie, wird im Wintersemester 2026/2027 eine Vorlesung über die Geschichte des Natur- und Verfassungsrechts halten.
Die Lehrveranstaltung wird an der Ludwig-Maximilians-Universität München — LMU in München angeboten und setzt die Vorlesung des Wintersemesters 2025/2026 fort, in der Platon, Aristoteles, die Bibel, das Recht, die Gerechtigkeit und die ethische Grundlegung des modernen Verfassungsstaates untersucht wurden.
Die Abfolge der beiden Lehrveranstaltungen eröffnet einen umfassenden historischen und intellektuellen Weg. Sie beginnt bei der griechischen Philosophie und den rechtlichen und religiösen Traditionen der Hebräischen Bibel, führt durch die Entstehung des neuzeitlichen Naturrechts und reicht bis zu den gegenwärtigen Debatten über Demokratie, Souveränität, Legitimität, Verfassungsrecht und Menschenrechte.
1. Die Vorlesung im Wintersemester 2026/2027
Die für das Wintersemester 2026/2027 angekündigte Vorlesung trägt den Titel:
Die Geschichte des Natur- und Verfassungsrechts von der Antike bis zur Gegenwart. Teil II: Von Thomas Hobbes bis zu Jürgen Habermas
Die Vorlesung beginnt am 16. Oktober 2026 und findet freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr im Hauptgebäude der LMU, Hörsaal A 015, statt.
In der offiziellen Ankündigung heißt es:
Die Vorlesung zeigt die biblischen und griechisch-philosophischen Wurzeln der neuzeitlichen Menschenrechte als Teil eines Natur- und Verfassungsrechts im Diskurs mit jüngsten Diskussionen in Rechtswissenschaft und Philosophie auf.
Ziel der Vorlesung ist es nicht lediglich, die Geschichte rechtlicher Ideen chronologisch darzustellen. Sie will vielmehr zeigen, dass die modernen Menschenrechte, der Verfassungsstaat und die rechtlichen Grenzen politischer Macht nicht aus einer einzigen historischen Quelle hervorgegangen sind.
Diese Begriffe entstanden in einem langen Dialog zwischen:
- der griechischen politischen Philosophie;
- dem biblischen Recht und der biblischen Ethik;
- dem kanonischen Recht;
- den Naturrechtslehren;
- der neuzeitlichen politischen Philosophie;
- den Souveränitätstheorien;
- dem Rechtspositivismus;
- der Kritischen Theorie;
- dem demokratischen Verfassungsstaat;
- und den Diskurstheorien des Rechts.
Die von Professor Otto ausgewählte Literatur umfasst Werke von Horst Dreier, Jürgen Habermas, Ulrich Haltern, Tine Stein, Robert Yelle sowie von Eckart Otto selbst.
2. Die Menschenrechte als sakraler Kern des neuzeitlichen Verfassungsrechts
Zu den zentralen Texten der neuen Vorlesung gehört Eckart Ottos Aufsatz:
Die Menschenrechte als sakraler Kern im neuzeitlichen Verfassungsrecht. Biblische und kanonistische Impulse in der rechtsphilosophischen Forschung zum neuzeitlichen Natur- und Verfassungsrecht
Der Aufsatz erschien 2026 im Band 33 der Zeitschrift für Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte auf den Seiten 1–59.
Die Ankündigung der Vorlesung weist darauf hin, dass der Text über das Academia.edu-Profil von Eckart Otto online zugänglich ist.
Der Ausdruck „sakraler Kern“ ist nicht lediglich im Sinne einer vom Staat aufgezwungenen religiösen Norm zu verstehen. Er verweist vielmehr auf die Anerkennung, dass bestimmte Werte — insbesondere die Menschenwürde und die Grundrechte — eine übergeordnete und unverfügbare rechtliche Stellung besitzen und nicht dem vorübergehenden Willen von Regierungen, politischen Mehrheiten oder wirtschaftlichen Interessen unterworfen werden dürfen.
In diesem Zusammenhang untersucht Otto die biblischen und kanonistischen Beiträge zur Entstehung der neuzeitlichen Theorien des Naturrechts, der Menschenrechte und des Verfassungsrechts.
Die zentrale Frage lautet:
Auf welchen Grundlagen lässt sich behaupten, dass bestimmte Rechte dem Menschen als solchem zustehen und vom Staat nicht rechtmäßig aufgehoben werden können?
3. Teil I: Platon, Aristoteles, die Bibel, Recht und Gerechtigkeit
Die antiken Grundlagen dieses gedanklichen Weges wurden im Wintersemester 2025/2026 in folgender Vorlesung behandelt:
Platon, Aristoteles und die Bibel. Recht und Ethos in der Antike und im modernen Rechtsstaat
Die Vorlesung fand freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr im Hauptgebäude der LMU, Hörsaal F 007, statt.
Das Programm untersuchte das Verhältnis zwischen Recht und Gerechtigkeit sowie die Möglichkeiten und Grenzen des Naturrechts in der antiken Philosophie, insbesondere bei Platon und Aristoteles, und in der Hebräischen Bibel.
Die Untersuchung wurde zugleich auf die neuzeitliche Philosophie sowie auf Rechtstheorien des 20. und 21. Jahrhunderts ausgeweitet.
Das vollständige Programm der Vorlesung des Wintersemesters 2025/2026 ist auf Academia.edu verfügbar.
Auch die offizielle Vorlesungsankündigung für das Wintersemester 2025/2026 kann eingesehen werden.
Die Abfolge der beiden Semester ist inhaltlich klar aufgebaut.
Teil I — Antike Grundlagen
- Platon;
- Aristoteles;
- die Hebräische Bibel;
- Naturrecht;
- Ethik;
- Gerechtigkeit;
- Legitimität der Macht;
- moralische und rechtliche Grundlegung des Staates.
Teil II — Neuzeitliche und gegenwärtige Entwicklung
- Thomas Hobbes;
- Souveränität;
- neuzeitliches Naturrecht;
- Verfassungsrecht;
- Rechtspositivismus;
- Menschenrechte;
- Kritische Theorie;
- Jürgen Habermas;
- demokratische Legitimität;
- Diskurstheorie des Rechts.
Obwohl die Lehrveranstaltung 2026/2027 als „Teil II“ bezeichnet wird, erklärt die Ankündigung nicht, dass der formale Abschluss von Teil I eine zwingende Teilnahmevoraussetzung ist.
Teil I bietet jedoch eine wichtige historische und begriffliche Grundlage für das Verständnis der weiteren Entwicklung.
4. Veranstaltungsort
Die Vorlesung wird als Präsenzveranstaltung im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München gehalten:
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Deutschland
Für die Lehrveranstaltung 2026/2027 ist folgender Raum vorgesehen:
Hauptgebäude, Hörsaal A 015
5. Teilnahme als Gaststudierender
Die Vorlesungsankündigung nennt keine gesonderte Teilnahmegebühr. Es handelt sich um eine reguläre Lehrveranstaltung der LMU.
Personen, die nicht regulär an der Universität eingeschrieben sind, können eine Zulassung als Gaststudierende beantragen.
Die LMU bemisst die Gebühr für Gaststudierende nach der Gesamtzahl der belegten Semesterwochenstunden. Da Eckart Ottos Vorlesung zwei Wochenstunden umfasst, fällt sie bei alleiniger Belegung in die erste Gebührenstufe.
Die Einschreibung als Gaststudierender entspricht nicht der Immatrikulation in einen Bachelor-, Master- oder Promotionsstudiengang und verleiht in der Regel weder das Recht zur Teilnahme an Prüfungen noch zum Erwerb von Studienleistungen oder Leistungspunkten.
Die geltenden Vorschriften, Formulare, Fristen und Gebühren sollten unmittelbar auf der offiziellen LMU-Seite für Gaststudierende überprüft werden.
6. Wer ist Professor Eckart Otto?
Prof. em. Dr. Dr. h.c. Eckart Otto, geboren 1944, ist emeritierter Professor der Ludwig-Maximilians-Universität München und Honorarprofessor an der University of Pretoria in Südafrika.
Er studierte Evangelische Theologie und Altorientalistik. Seine Promotion und seine Habilitation im Fach Altes Testament erwarb er 1973 beziehungsweise 1975 an der Universität Hamburg.
Zwischen 1976 und 1986 nahm er an archäologischen Ausgrabungen im Libanon, in Syrien und in Israel teil. Von 1978 bis 1979 war er stellvertretender Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes beziehungsweise in der archäologischen Arbeit in Jerusalem tätig.
Seine universitäre Laufbahn umfasste unter anderem folgende Positionen:
- Professor für Altes Testament und Biblische Archäologie an der Universität Hamburg;
- ordentlicher Professor für Hebräische Bibel an der Universität Osnabrück;
- ordentlicher Professor für Altes Testament und Biblische Archäologie an der Universität Mainz;
- Inhaber des Lehrstuhls für Altes Testament II an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der LMU München.
2009 wurde er als Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät emeritiert, setzte jedoch seine Lehrtätigkeit an der LMU, an der Hochschule für Philosophie München und an der University of Pretoria fort.
1983 wurde er zum ehrenamtlichen lutherischen Pastor ordiniert.
2007 erhielt er von der University of Pretoria die Ehrendoktorwürde eines Doctor of Divinity.
Er gehört beziehungsweise gehörte bedeutenden wissenschaftlichen Institutionen an, darunter:
- die European Academy of Sciences and Arts;
- die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt;
- die Old Testament Society of Southern Africa;
- die Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften.
Der akademische Lebenslauf von Eckart Otto ist auf Academia.edu verfügbar.
Sein allgemeines Academia.edu-Profil enthält Bücher, Aufsätze, Rezensionen, Vorlesungsprogramme, Vorträge und weitere wissenschaftliche Arbeiten.
Das Profil verzeichnet zahlreiche Bücher, Hunderte von Aufsätzen und Studien, mehr als einhundert Rezensionen sowie zahlreiche Vorlesungen und Vorträge. Es bezeichnet Otto außerdem als emeritierten Professor der LMU, Honorarprofessor der University of Pretoria und ordentliches Mitglied der European Academy of Sciences and Arts.
7. Ein außergewöhnlich umfangreiches wissenschaftliches Werk
Bis 2025 umfasste Eckart Ottos Bibliographie 819 Bücher, Aufsätze und Rezensionen, die zwischen 1974 und 2025 veröffentlicht wurden.
Seine Forschung erstreckt sich auf:
- biblische Theologie;
- Hebräische Bibel und Altes Testament;
- Pentateuch;
- Deuteronomium;
- antike Philosophie;
- Geschichte des antiken und neuzeitlichen Rechts;
- Keilschriftforschung;
- Religionen des Alten Orients;
- biblische und moderne Ethik;
- Menschenrechte;
- Religionssoziologie;
- Studien zu Max Weber.
Die Bibliographie der Veröffentlichungen Eckart Ottos von 1974 bis 2025 ist über sein akademisches Profil zugänglich.
Zu seinen bedeutenden Werken gehören:
- Theologische Ethik des Alten Testaments;
- Das Deuteronomium: Politische Theologie und Rechtsreform in Juda und Assyrien;
- Gottes Recht als Menschenrecht;
- Mose: Geschichte und Legende;
- Deuteronomy in the Pentateuch and Hexateuch;
- Krieg und Frieden in der Hebräischen Bibel und im Alten Orient;
- sein vierbändiger Kommentar zum Deuteronomium, veröffentlicht zwischen 2012 und 2017.
2005 veröffentlichte Otto außerdem die erste kritische Edition von Max Webers Das antike Judentum im Rahmen der von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Max-Weber-Gesamtausgabe.
8. Neuere auf Academia.edu verfügbare Arbeiten
8.1. Main Traits of a Legal History in the Hebrew Bible from the Neo-Assyrian to the Persian Period
Auf Deutsch:
Grundzüge einer Rechtsgeschichte der Hebräischen Bibel von der neuassyrischen bis zur persischen Zeit
Die Arbeit geht auf einen Vortrag zurück, den Eckart Otto im November 2025 am Center of Judaic and Inter-Religious Studies der Shandong University in China hielt.
Die Untersuchung behandelt:
- die Funktionen des Rechts im Alten Orient und in der Hebräischen Bibel;
- die Wurzeln des biblischen Rechts in Familie, örtlicher Gerichtsbarkeit und Kult;
- die theologische Umgestaltung weltlichen Rechts;
- die Beziehungen zwischen dem Deuteronomium, dem Bundesbuch und neuassyrischen Rechtsquellen;
- die Kritik des Deuteronomiums an der neuassyrischen Reichsideologie;
- das Deuteronomium im nachexilischen Zusammenhang;
- seine Beziehung zur achämenidischen Königsideologie;
- die Kritik des Deuteronomiums an der persischen Reichsideologie.
Die Arbeit auf Academia.edu lesen.
Die Arbeit verdeutlicht eine der zentralen Forschungslinien Eckart Ottos: Die Hebräische Bibel darf nicht als ein von ihrem politischen und rechtlichen Umfeld isolierter Text untersucht werden.
Ihre Normen, Erzählungen und theologischen Formulierungen stehen im Austausch mit Reichen, Rechtskodifikationen, Gerichtsordnungen und Machtideologien des Alten Orients.
8.2. Programm der Vorlesung „Platon, Aristoteles und die Bibel“
Das Dokument enthält das Programm der im Wintersemester 2025/2026 an der LMU gehaltenen Vorlesung:
Programm der Vorlesung von Prof. Dr. Dr. h.c. Eckart Otto an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Wintersemester 2025/26: Platon, Aristoteles und die Bibel. Recht und Ethos in der Antike und im modernen Rechtsstaat.
Das Programm auf Academia.edu einsehen.
8.3. Ankündigung der Vorlesung „Platon, Aristoteles und die Bibel“
Das Dokument enthält die formelle Ankündigung der Vorlesung mit Titel, Semester, Uhrzeit und Ort:
Vorlesungsankündigung Prof. Dr. Dr. h.c. Eckart Otto im Wintersemester 2025/26 an der Ludwig-Maximilians-Universität München: Platon, Aristoteles und die Bibel. Recht und Ethos in der Antike und im modernen Rechtsstaat. Freitag 10.00–12.00 ct. im Hauptgebäude der LMU, Hörsaal F 007.
Die Ankündigung auf Academia.edu einsehen.
8.4. Legality and Legitimacy of Law in Light of Ancient Sources and the Hebrew Bible
Auf Deutsch:
Legalität und Legitimität des Rechts im Licht antiker Quellen und der Hebräischen Bibel
Der Vortrag wurde auf dem internationalen Workshop The Political Bible gehalten, der am 25. und 26. Juli 2025 an der LMU stattfand.
Otto untersucht das Verhältnis zwischen Gerechtigkeit und positivem Recht sowohl in der modernen Rechtstheorie als auch in der Hebräischen Bibel.
Die zentrale Frage lautet, ob die biblische Rechtstheorie einen Beitrag zu den gegenwärtigen Debatten über Legalität und Legitimität des modernen positiven Rechts leisten kann.
Die Arbeit auf Academia.edu lesen.
Das Thema ist von hoher gegenwärtiger Bedeutung, weil eine Norm formell gültig sein und dennoch schwerwiegende Fragen hinsichtlich ihrer Gerechtigkeit, ihrer moralischen Legitimität oder ihrer Vereinbarkeit mit der Menschenwürde aufwerfen kann.
8.5. Platon und die Bibel: Menschenrechte als Gegenstand einer republikanischen politischen Theologie jenseits der deutschen Tradition Carl Schmitts
Originaltitel:
Plato and the Bible: Human Rights as Subject of a Republican Political Theology Beyond the German Tradition of Carl Schmitt
Der Vortrag wurde von Eckart Otto am 12. Mai 2024 an der Aristoteles-Universität Thessaloniki im Rahmen einer von der Alexander von Humboldt-Stiftung unterstützten Veranstaltung gehalten.
Die auf Academia.edu verfügbare Datei enthält das Programm und die Zusammenfassung des Vortrags.
Die Arbeit auf Academia.edu lesen.
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Tradition der politischen Theologie Carl Schmitts auseinander, die auf staatlicher Souveränität und der Vorstellung beruht, dass grundlegende Begriffe des modernen Staates säkularisierte Formen theologischer Begriffe seien.
Nach Ottos Darstellung verbindet Schmitts Theorie die Souveränität des Staates mit der Säkularisierung der christlichen Vorstellung göttlicher Allmacht.
Diese Perspektive konzentriert die politische Macht auf den Souverän und hebt die souveräne Entscheidung im Ausnahmezustand hervor.
Otto stellt dieser Tradition eine andere Genealogie politischer Theologie gegenüber, die mit jüdischen Quellen, der platonischen Philosophie und der Hebräischen Bibel verbunden ist.
Nach der Zusammenfassung des Vortrags hat Jürgen Habermas einen erheblichen Teil seines Werkes der Kritik an Schmitts Konzeption gewidmet und auf jüdische Formen politischer Theologie verwiesen, die insbesondere mit Hermann Cohen und Martin Buber verbunden sind.
Hermann Cohen entwickelte sein Denken wiederum in gleichzeitiger Auseinandersetzung mit der platonischen Philosophie und den Quellen der Hebräischen Bibel.
Nach Otto wurde diese Verbindung von antiker Philosophie und biblischer Tradition in Hannah Arendts politischer Theologie der Menschenrechte fortgeführt.
Arendts Denken verschiebt das Zentrum der politischen Theologie:
- von der absoluten Souveränität zu den Menschenrechten;
- von der Allmacht des Staates zur Menschenwürde;
- von der Entscheidung des Souveräns zur politischen Teilhabe;
- von konzentrierter Macht zur republikanischen Bürgerschaft;
- von der Unterwerfung unter den Staat zum Recht, Rechte zu haben.
Arendts Formulierung vom „Recht, Rechte zu haben“ ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung.
Sie zeigt, dass die abstrakte Existenz von Rechten nicht ausreicht, wenn Menschen aus der politischen Gemeinschaft ausgeschlossen, ihrer Staatsbürgerschaft beraubt oder außerhalb des wirksamen Schutzes staatlicher Institutionen gestellt werden.
Otto ordnet diese Genealogie außerdem in die gegenwärtigen Debatten der Kritischen Theorie ein und verweist auf Axel Honneth, Rahel Jaeggi und Daniel Loick.
Diese Autoren greifen aus unterschiedlichen Perspektiven Fragen der Anerkennung, der sozialen Freiheit, der Lebensformen, der Institutionenkritik und der jüdischen Rechtstraditionen auf.
Die Arbeit bietet somit eine Alternative zu einem politischen Modell, das auf unbegrenzter Souveränität beruht.
An die Stelle einer politischen Theologie, die den Staat als höchste Macht versteht, tritt die Untersuchung einer republikanischen politischen Theologie der Menschenrechte, die sich gründet auf:
- Menschenwürde;
- Bürgerschaft;
- politische Teilhabe;
- öffentliche Verantwortung;
- Begrenzung der Macht;
- Schutz vulnerabler Menschen;
- Kritik autoritärer Staaten;
- Widerstandsrecht gegen Unterdrückung;
- Universalität der Menschenrechte.
Der Vortrag war zugleich Bestandteil der internationalen Tagung Human Dignity and Human Rights in Ancient Near East, Israel and Hellas, die vom 12. bis 14. Mai 2024 online stattfand.
Im Programm ist Eckart Ottos Vortrag vom 12. Mai unter dem Titel „Plato and the Bible: Human Right as a Subject of a Republican Political Theology Beyond the German Tradition of Carl Schmitt“ aufgeführt.
Diese Arbeit steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den später von Professor Otto an der LMU gehaltenen Lehrveranstaltungen.
In Teil I untersucht Otto Platon, Aristoteles, die Bibel, Recht und Ethik. In Teil II behandelt er die Geschichte des Natur- und Verfassungsrechts von Thomas Hobbes bis Jürgen Habermas.
Der Vortrag von Thessaloniki bildet eine Brücke zwischen diesen beiden Stufen:
Platon und die Bibel → Hermann Cohen und Martin Buber → Hannah Arendt → Jürgen Habermas und die gegenwärtige Kritische Theorie
Diese historische Linie verdeutlicht, weshalb Menschenrechte nicht nur als positivierte Normen internationaler Übereinkommen, sondern als Mittelpunkt einer republikanischen Staats- und Gesellschaftskonzeption verstanden werden können.
9. Die gegenwärtige Bedeutung von Eckart Ottos Werk
Eckart Ottos wissenschaftliches Werk nimmt eine besondere Stellung ein, weil es Forschungsgebiete miteinander verbindet, die häufig getrennt behandelt werden:
- Theologie und Recht;
- Bibel und Verfassungsrecht;
- antike Geschichte und gegenwärtige Demokratiekrise;
- positives Recht und Gerechtigkeit;
- Souveränität und Begrenzung der Macht;
- Religion und Menschenrechte;
- griechische Philosophie und Menschenwürde;
- biblische Tradition und Widerstand gegen Imperien.
Seine Forschung zeigt, dass die Entstehung der modernen Menschenrechte nicht ausschließlich durch die europäische Aufklärung oder die Revolutionen des 17. und 18. Jahrhunderts erklärt werden kann.
Die griechische Philosophie entwickelte grundlegende Kategorien der Gerechtigkeit, Vernunft, Natur, politischen Gemeinschaft und Tugend.
Die biblische Tradition entwickelte ihrerseits religiöse, moralische und rechtliche Mechanismen zur Begrenzung der Macht, zum Schutz vulnerabler Menschen, zur Verantwortlichmachung der Herrschenden, zur prophetischen Kritik und zum Widerstand gegen absolute imperiale Ansprüche.
Der moderne Verfassungsstaat formte diese Elemente zu neuen Kategorien um:
- Menschenwürde;
- unveräußerliche Rechte;
- Rechtsgleichheit;
- Gewaltenteilung;
- Begrenzung des Staates;
- Minderheitenschutz;
- Religionsfreiheit;
- Verfassungskontrolle;
- demokratische Legitimität;
- Abwehrrechte gegenüber der öffentlichen Gewalt.
Aus dieser Perspektive besitzen die Menschenrechte nicht nur eine politische, sondern auch eine tiefgreifende moralische, philosophische, religiöse und rechtliche Genealogie.
10. Legalität ist nicht automatisch mit Gerechtigkeit gleichzusetzen
Eine der wichtigsten Fragen in den neueren Arbeiten Eckart Ottos ist die Unterscheidung zwischen Legalität und Legitimität.
Legalität bedeutet, dass eine Norm nach den von einem Rechtssystem formal anerkannten Verfahren zustande gekommen ist.
Legitimität verlangt eine zusätzliche Frage:
Ist die Norm gerecht, vernünftig begründbar und mit den Grundrechten und der Menschenwürde vereinbar?
Ein formell verabschiedetes Gesetz kann private Interessen widerspiegeln, bestimmte Gruppen diskriminieren, die Staatsmacht missbräuchlich ausweiten oder schwere Menschenrechtsverletzungen ermöglichen.
Aus diesem Grund darf der Verfassungsstaat das Recht nicht auf den bloßen Willen jener reduzieren, die vorübergehend politische Macht ausüben.
Der moderne Verfassungsstaat verlangt, dass die Schaffung, Auslegung und Anwendung des Rechts folgenden Maßstäben unterworfen ist:
- Grundrechte;
- rechtsstaatliches Verfahren;
- Gleichheit;
- Verhältnismäßigkeit;
- Willkürverbot;
- gerichtliche Kontrolle;
- demokratische Teilhabe;
- Schutz der Menschenwürde;
- öffentliche Verantwortlichkeit;
- Verpflichtung auf Gerechtigkeit.
Ottos Forschung zeigt, dass dieses Problem nicht erst mit der Moderne entstanden ist. Bereits antike Gesellschaften waren mit dem Konflikt zwischen Macht, Autorität, positivem Recht, Gerechtigkeit und Legitimität konfrontiert.
11. Schlussfolgerung
Die Lehrveranstaltungen und wissenschaftlichen Arbeiten von Professor Eckart Otto leisten einen außergewöhnlichen Beitrag zum Verständnis der historischen Wurzeln des Verfassungsrechts und der Menschenrechte.
Die an der Ludwig-Maximilians-Universität München angebotene Lehrveranstaltungsfolge beginnt bei Platon, Aristoteles und der Bibel, führt durch die Geschichte des Naturrechts und reicht bis zu Thomas Hobbes, den modernen Souveränitätstheorien, dem Verfassungsstaat und Jürgen Habermas.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung einer für jede Gesellschaft grundlegenden Frage:
Woher stammt die Autorität des Rechts, und unter welchen Voraussetzungen kann ein Gesetz als wirklich legitim gelten?
Die Antwort lässt sich nicht ausschließlich in Gesetzbüchern, Gerichten oder Gesetzgebungsverfahren finden.
Sie erfordert die Untersuchung der Geschichte, der Philosophie, der Ethik, der Religion, der politischen Institutionen und der menschlichen Kämpfe gegen den Missbrauch von Macht.
Eckart Ottos Werk erinnert daran, dass Menschenrechte keine gnädige Gewährung des Staates sind.
Sie sind das historische Ergebnis jahrhundertelanger Reflexion, des Widerstands, menschlicher Erfahrung und der Suche nach rechtlichen und moralischen Grenzen, die den Menschen vor Willkür schützen können.
LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS
ACADEMIA.EDU. Eckart Otto: akademisches Profil. Ludwig-Maximilians-Universität München, Evangelisch-Theologische Fakultät. [S. l.], [2026]. Verfügbar unter: https://lmu-munich.academia.edu/EOtto. Zugriff am: 19. Juli 2026.
LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN. Eckart Otto: Curriculum Vitae. Academia.edu, [2026]. Verfügbar unter: https://lmu-munich.academia.edu/EOtto/CurriculumVitae. Zugriff am: 19. Juli 2026.
LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN. Eckart Otto: Bibliographies. Academia.edu, [2026]. Verfügbar unter: https://lmu-munich.academia.edu/EOtto/Bibliographies. Zugriff am: 19. Juli 2026.
LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN. Eckart Otto: Lectures. Academia.edu, [2026]. Verfügbar unter: https://lmu-munich.academia.edu/EOtto/Lectures. Zugriff am: 19. Juli 2026.
LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN. Prof. em. Dr. Dr. h.c. Eckart Otto. München, [2026]. Verfügbar unter: https://www.evtheol.lmu.de/de/die-fakultaet/personen/kontaktseite/eckart-otto-42e740da.html. Zugriff am: 19. Juli 2026.
LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN. Gaststudierende. München, [2026]. Verfügbar unter: https://www.lmu.de/de/studium/hochschulzugang/gaststudierende/. Zugriff am: 19. Juli 2026.
OTTO, Eckart. Die Menschenrechte als sakraler Kern im neuzeitlichen Verfassungsrecht: biblische und kanonistische Impulse in der rechtsphilosophischen Forschung zum neuzeitlichen Natur- und Verfassungsrecht. Zeitschrift für Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte, Bd. 33, S. 1–59, 2026. Verfügbar über das akademische Profil des Autors unter: https://lmu-munich.academia.edu/EOtto. Zugriff am: 19. Juli 2026.
OTTO, Eckart. Legality and legitimacy of law in light of ancient sources and the Hebrew Bible. Vortrag auf dem International Workshop The Political Bible, Ludwig-Maximilians-Universität München, 25.–26. Juli 2025. Academia.edu, 2025. Verfügbar unter: https://www.academia.edu/130379778/Eckart_Otto_Legality_and_Legitimacy_of_Law_in_Light_of_Ancient_Sources_and_the_Hebrew_Bible_Lecture_on_the_international_Workshop_The_Political_Bible_July_25_26_2025_at_the_Ludwig_Maximilians_Universit%C3%A4t_M%C3%BCnchen. Zugriff am: 19. Juli 2026.
OTTO, Eckart. Main traits of a legal history in the Hebrew Bible from the Neo-Assyrian to the Persian Period. Vortrag am Center of Judaic and Inter-Religious Studies der Shandong University, China, November 2025. Academia.edu, 2025. Verfügbar unter: https://www.academia.edu/145034804/Eckart_Otto_Main_Traits_of_a_Legal_History_in_the_Hebrew_Bible_from_the_Neo_Assyrian_to_the_Persian_Period_Lecture_at_the_Center_of_Judaic_and_Inter_Religious_Studies_at_Shandong_University_China_November_2025. Zugriff am: 19. Juli 2026.
OTTO, Eckart. Plato and the Bible: human rights as subject of a republican political theology beyond the German tradition of Carl Schmitt. Vortrag an der Aristoteles-Universität Thessaloniki im Rahmen der Alexander von Humboldt-Stiftung, 12. Mai 2024. Academia.edu, 2024. Verfügbar unter: https://www.academia.edu/117427948/Eckart_Otto_Plato_and_the_Bible_Human_Rights_as_Subject_of_a_Republican_Political_Theology_beyond_the_German_Tradition_of_Carl_Schmitt_Lecture_at_the_Aristotle_University_Thessaloniki_Alexander_von_Humboldt_Stiftung_12_5_2024. Zugriff am: 19. Juli 2026.
OTTO, Eckart. Programm der Vorlesung von Prof. Dr. Dr. h.c. Eckart Otto an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Wintersemester 2025/26: Platon, Aristoteles und die Bibel. Recht und Ethos in der Antike und im modernen Rechtsstaat. Academia.edu, 2025. Verfügbar unter: https://www.academia.edu/143876273/Programm_der_Vorlesung_von_Prof_Dr_Dr_h_c_Eckart_Otto_an_der_Ludwig_Maximilians_Universit%C3%A4t_M%C3%BCnchen_im_Wintersemester_2025_26_Platon_Aristoteles_und_die_Bibel_Recht_und_Ethos_in_der_Antike_und_im_modernen_Rechtsstaat. Zugriff am: 19. Juli 2026.
OTTO, Eckart. Vorlesungsankündigung im Wintersemester 2025/26: Platon, Aristoteles und die Bibel. Recht und Ethos in der Antike und im modernen Rechtsstaat. Ludwig-Maximilians-Universität München. Academia.edu, 2025. Verfügbar unter: https://www.academia.edu/143570494/Vorlesungsank%C3%BCndigung_Prof_Dr_Dr_h_c_Eckart_Otto_im_Wintersemester_2025_26_an_der_Ludwig_Maximilians_Universit%C3%A4t_M%C3%BCnchen_Platon_Aristoteles_und_die_Bibel_Recht_und_Ethos_in_der_Antike_und_im_modernen_Rechtsstaat_Freitag_10_00_12_00_ct_im_Hauptgeb%C3%A4ude_der_LMU_H%C3%B6rsaal_F_007. Zugriff am: 19. Juli 2026.
OTTO, Eckart. Vorlesungsankündigung Wintersemester 2026/27: Die Geschichte des Natur- und Verfassungsrechts von der Antike bis zur Gegenwart. Teil II: Von Thomas Hobbes bis zu Jürgen Habermas. Ludwig-Maximilians-Universität München, 2026. Verfügbar unter: https://lmu-munich.academia.edu/EOtto. Zugriff am: 19. Juli 2026.


